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Zwei Jahre Stockagenturen - meine Erfahrungen und Einnahmen

Es gibt eines, dass man im Geschäft mit den Stockagenturen auf jeden Fall haben sollte und das ist Geduld. Wer glaubt mit ein paar Bildern das schnelle Geld machen zu können, der irrt sich leider gewaltig. Sollte sich jetzt einer von euch angesprochen fühlen: Mir ging es am Anfang genauso und vermutlich vielen anderen auch. Die Sache mit der Geduld fängt schon damit an, dass man bei einigen Agenturen wochenlang auf die Freischaltung der Bilder warten muss. Das bedeutet im Umkehrschluss natürlich auch, dass es wochenlang dauert, bis erste potenzielle Käufer das Bild sehen können. Aber zum Glück gibt es auch Agenturen, bei denen man tatsächlich beinahe sofort Geld verdient. Bei anderen muss man teilweise jedoch jahrelang warten.

 

Natürlich hängt das auch alles mit der Größe des Portfolios und den Motiven der Bilder zusammen. Fotos von Menschen verkaufen sich am besten, sind aber auch am aufwendigsten zu produzieren. Reisefotos sind auch gefragt. Dafür muss man aber erst mal in ein bestimmtes Land kommen, um diese Bilder aufnehmen zu können.

 

Viele Agenturen veröffentlichen in ihren Blogs oder Newslettern aktuelle Trends. Die kann man beachten, muss man aber nicht. Ich schaue mir diese Blogs und Newsletter regelmäßig an, vor allem um mich inspirieren zu lassen. Tatsächlich ist es mir aber egal welche Bildmotive gerade „in“ sind. Ich zeichne das was mir gefällt und nicht das, was andere gerade ganz hip finden (die Bilder mit den vermenschlichten Tieren finde ich z. B. ganz gruselig). Wer das auch so machen möchte, muss genau wie ich noch mehr Geduld haben als andere.

 

Daher ist es sinnvoll, ein Konzept zu erarbeiten. Für mich habe ich mir folgendes Konzept überlegt: Ich beliefere erst mal so viele Agenturen wie möglich und schaue mir bei jeder einzelnen Agentur die Entwicklung über drei bis fünf Jahre an. Wichtig dabei ist, in dieser Zeit auch wirklich regelmäßig Bilder hochzuladen. Denn wer immer neue und/oder aktuelle Bilder im Portfolio veröffentlicht, wird von den Käufern häufiger gefunden. Außerdem werden Bildlieferanten, die nur selten neues Material zur Verfügung stellen, von den Suchalgorithmen der Agenturen oft auf den hinteren Seiten platziert. Also sollte man lieber die 300 Bilder, die man beim letzten Wochenendtrip in Las Vegas aufgenommen hat, in kleinen Portionen hochladen. Ok, dass mit Las Vegas ist ein blödes Beispiel. Wer macht schon Fotos, wenn man da das Wochenende verbringen kann. Aber ich glaube, ihr versteht was ich meine.

 

Aber noch mal zurück zu meinem Konzept. Ich beliefere also jede Agentur für mindestens etwa drei bis fünf Jahre. Zeichnet sich in dieser Zeit ab, dass ich keine nennenswerten Einnahmen habe, ist für mich der Arbeitsaufwand höher als die Einnahmen und höre ich mit der Belieferung auf. Aber ich kündige nicht, wie andere Bildautoren es oft machen, den Vertrag, sondern ich lasse die Agentur einfach links liegen. Vielleicht mausert sie sich ja doch noch oder wird von einer größeren Agentur geschluckt. Dann sind meine Bilder wieder im Rennen. Vor etwa einem Monat habe ich mich z. B. bei Stockfresh und Colorbox registriert. Auch diesen beiden Agenturen gewähre ich die bereits erwähnten drei bis fünf Jahre.

 

Nach den ersten zweieinhalb Jahren im Stockgeschäft zeichnen sich erste Trends bei den Agenturen ab. Ganz vorne sind Shutterstock, Fotolia sowie iStockphoto, wobei ich bei iStockphoto erst 2016 angefangen habe. Bei diesen drei haben sich schnell Verkäufe generiert. Nicht ganz so gut läuft es bei 123RF, Dreamstime, Pixta und BigStock. Hier verkaufe ich zwar auch, erreiche aber nur alle paar Monate die Auszahlungsgrenze. Doch seit Anfang 2017 ist ein kleiner Trend nach oben zu erkennen. Vor allem bei Dreamstime beginnt jetzt, knapp zwei Jahre nach der Registrierung, das Geschäft zu laufen. Alle anderen Agenturen dümpeln so vor sich hin.

 

Um das alles etwas zu verdeutlichen, habe ich mal ein paar Statistiken vorbereitet. Ich wollte wissen, wie viel Prozent der Gesamteinnahmen in den Jahren 2015 und 2016 die einzelnen Agenturen beisteuerten. Die Agenturen, bei denen ich keine Einnahmen erzielte, sind nicht mit aufgeführt.

 

Vorab noch ein kleiner Hinweis:Die Höhe der Balken stimmt nicht ganz genau. Ich nenne das jetzt einfach Mal künstlerische Freiheit. Den genauen Wert könnt ihr ja ablesen.

Einnahmen 2015 in prozentualer Ansicht.
Einnahmen 2015 in prozentualer Ansicht.

Im ersten Jahr war Fotolia ganz stark. Das lag natürlich daran, dass ich dort schon vorher einige Bilder online hatte. Auch bei Chromorange, Zoonar und Arco Images war ich bereits in den Jahren davor registriert. Trotzdem konnte ich dort keinen nennenswerten Gewinn erzielen. Bei Shutterstock begann ich Mitte Januar 2015 mit dem hochladen der Bilder, und wie man sieht, haben sich die Verkäufe im Laufe des Jahres schön entwickelt. Bei 123RF und Pond5 startete ich erst Mitte 2015. Von daher ist diese Statistik diesen beiden Agenturen gegenüber eigentlich nicht ganz fair. Im Jahr 2015 habe ich mich noch bei vielen anderen angemeldet, Gewinne konnte ich bei diesen aber nicht erzielen.

Einnahmen 2016 in prozentualer Ansicht.
Einnahmen 2016 in prozentualer Ansicht.

Anfang 2016 kam iStock dazu. Auch diese Agentur hat einen guten Start hingelegt. Nicht so gut wie Shutterstock im Jahr davor, aber doch auch akzeptabel. Bei 123RF und Dreamstime konnte ich trotz regelmäßigem Upload im Jahr 2016 keine Steigerung feststellen. Pixta und BigStock spuckten nur minimalen Gewinn aus und bei Pond5 habe ich das Gefühl, dass diese Agentur weiter in den Keller rauschen wird. Aber diese Agentur hat sich ja auch auf Videos spezialisiert und liefere Grafiken.

 

Interessant ist, dass in den ersten beiden Jahren die Agenturen mit nur wenigen Einnahmen zusammengerechnet immerhin jeweils etwa 20% der Jahresgesamteinnahmen ergaben. Darauf möchte ich, zumindest im Moment, nicht verzichten. Sollte sich dieser Prozentsatz aber in den kommenden Jahren verringern, werde ich mit der Belieferung dieser Agenturen aufhören und die Zeit lieber zum Zeichnen nutzen.

 

Wie sieht es bei euch aus? Ich vermute das Shutterstock, Fotolia und iStock bei euch ähnlich gut laufen. Aber wie ist es bei euch mit den übrigen Agenturen?

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Kommentare: 2
  • #1

    John Fs Pic (Sabine u. Thomas Thielemann) (Montag, 05 Juni 2017 11:13)

    Ja die 3 großen Agenturen laufen bei uns auch gut nur eine etwas andere Verteilung. In den letzten Jahren war iStock immer die Nr. 1, dies hat sich aber geändert Shutter z.Zeit die Nr. 1, iStock noch auf Platz 2 aber Adobe/ Fotolia werden wohl Platz 2 übernehmen, danach im Jahr 2016 Bigstock, 123RF, EyeEm, Dreamstime, Deposit u.a

  • #2

    alfotokunst (Alexander Ludwig) (Freitag, 05 Januar 2018 14:56)

    Irgendwann fängt wohl jeder mit Statistiken an ... ich zähle mich auch zu diesem Kreis. Ich bin jetzt gut 4 Jahre dabei und teile Deine Erfahrungen. Shutter ist bei mir ganz klar die #1 mit knapp 40% des Umsatzbeitrages, danach kommen mit einigem Abstand und etwa gleich auf IStock, Fotolia und Alamy (letztere aber weniger aufgrund der Anzahl der Verkäufe sondern eher des Erlöses pro Verkauf). Es folgen dann DT, BS, 123 und Pixta. Interessant finde ich, das sich die Verteilung bei mir zusehens stabilisert. Letztlich entfallen auf die Top 10 rd. 90% des Umsatzes. Die anderen Agenturen sind eher Mitläufer.