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Illustrator Tipp #2:Nahtlose Muster erstellen

Nahtlose Muster erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Sie sind für viele Dinge verwendbar wie z. B. als Hintergrundbild auf Webseiten, für Drucke auf Stoffen oder auf Papier. Dabei ist es wichtig, dass das Muster auch wirklich nahtlos ist und man beim Aneinanderreihen den Übergang nicht erkennt. Je komplexer so ein Muster ist, umso genauer muss man beim Zeichnen aufpassen. In diesem Beitrag zeige ich euch, wie man schnell und einfach so ein Muster erstellen kann.

Schritt 1: Als Erstes erstellen wir die einzelnen Bilder, die in dem Muster vorkommen sollen. Die Anzahl und die Anordnung der Bilder sind dabei noch nicht wichtig. Als Beispiel habe ich dafür Drachen, Wolken und Vögel ausgesucht.

Schritt 2: Nun ordnen wir die Bilder auf der Zeichenfläche an. Dabei darf kein Pfad über den Rand der Zeichenfläche hinausreichen.

1: Einzelne Bilder für das Muster erstellen.
1: Einzelne Bilder für das Muster erstellen.
2: Bilder auf der Zeichenfläche anordnen.
2: Bilder auf der Zeichenfläche anordnen.

Schritt 3: Als Nächstes legen wir einen Pfad an, der exakt am Rand der Zeichenfläche ausgerichtet ist. Am einfachsten geht das, wenn „Am Raster ausrichten“ aktiviert ist (Ansicht -> Am Raster ausrichten). In unserem Beispielbild ist dieser Pfad 2000 x 2000 Pixel groß. Anschließen gruppieren wir den gesamten Inhalt der Ebene inklusive des Rechteckes. Diese Gruppierung wird später wieder aufgehoben.

3.1:  Pfad um die Zeichenfläche legen.
3.1: Pfad um die Zeichenfläche legen.
3.2: Gruppierung des gesamten Inhaltes.
3.2: Gruppierung des gesamten Inhaltes.

Schritt 4: Diese Gruppe kopierten wir nun drei Mal, sodass wir insgesamt vier Gruppen erhalten, und ordnet diese symmetrisch in der Mitte der Zeichenfläche an. Diese Ausrichtung muss aber nicht beibehalten werden. Solange man alle vier Gruppen gleichzeitig auswählt, können sie auf der Zeichenfläche verschoben werden, bis man eine schöne Anordnung gefunden hat. Anschließend lösen wir die Gruppen wieder auf und löschen die vier Rechtecke.

4.1: Gruppe drei mal kopieren und einfügen.
4.1: Gruppe drei mal kopieren und einfügen.
4.2: Gruppen ausrichten.
4.2: Gruppen ausrichten.

Schritt 5: Jetzt wird es spannend: Wie ihr seht, ist das Muster noch nicht perfekt. In der Mitte gibt es einen leeren Bereich, der gefüllt werden muss. Außerdem befinden sich an der linken und rechten Seite drei Wolken übereinander. Das sieht nicht sehr schön aus und daher werden wir die Anordnung ändern. Dafür wählen wir mit dem Auswahl-Werkzeug zwei gegenüberliegende Wolken aus und verschieben sie aus der Zeichenfläche. Dabei ist es sehr wichtig, wirklich die gegenüberliegenden Wolken gleichzeitig zu erfassen und gleichzeitig zu verschieben. Sie sind durch die vorherige Gruppierung so angeordnet, dass sie später immer nahtlos erscheinen. Verschiebt man die Wolken einzeln, geht diese Anordnung verloren.

5.1: Immer paarweise verschieben.
5.1: Immer paarweise verschieben.

Schritt 6: Die Lücke ist jetzt größer geworden, daher haben wir Platz, um dort einen weiteren Drachen einzusetzen. Dafür wählen wir zwei gegenüberliegende Drachen aus, die sich im Moment außerhalb der Zeichenfläche befinden und versetzen diese in die Lücke an der rechten und linken Seite. Auf die gleiche Weise füllen wir nun die Lücken an den Rändern (die Mitte folgt im nächsten Schritt). Wir wählen dabei mit dem Auswahl-Werkzeug immer zwei gegenüberliegende Motive aus: entweder das linke und rechte Paar oder das obere und untere Paar. Liegt ein Motiv in einer der Ecken, müssen wir natürlich alle vier auswählen.

6: Leere Bereiche füllen.
6: Leere Bereiche füllen.

Schritt 7: Die Ränder sind fertig, also können wir uns nun um den mittleren Bereich kümmern. Alle Pfade, die sich nicht am Rand befinden, können jetzt einzeln verschoben werden. Wir müssen nicht mehr das entsprechende Paar beim Verschieben mit auswählen. Die Pfade innerhalb der Zeichenfläche passen wir durch Verschieben an und füllen die Lücken mit den Pfaden, die sich noch außerhalb befinden. Anschließend können alle Pfade, die sich außerhalb der Zeichenfläche befinden, gelöscht werden. Wie werden nicht mehr benötigt.

7: Jetzt den mittleren Bereich füllen.
7: Jetzt den mittleren Bereich füllen.

Schritt 8: Für einen sauberen Abschluss müssen wir nun alle Pfade, die über die Zeichenfläche hinaus ragen anpassen. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten: entweder nutzen wir dafür den Pathfinder „Fläche aufteilen“ oder das Formerstellungswerkzeug.

8.1: Pathfinder "Fläche aufteilen".
8.1: Pathfinder "Fläche aufteilen".
8.2: Formerstellungswerkzeug.
8.2: Formerstellungswerkzeug.

Pathfinder: Fläche aufteilen: Bei dieser Methode muss man jeden Pfad einzeln bearbeiten. Das ist natürlich eine Menge Arbeit. Bei komplexen Grafiken finde ich diese Methode aber besser, da man eine bessere Kontrolle hat.

 

Als Erstes erstellen wir ein Rechteck, das exakt am Rand ausgerichtet ist („Am Raster ausrichten“ sollte aktiviert sein), sich aber außerhalb der Zeichenfläche befindet. Dann klicken wir zusätzlich den Pfad an, der aufgeteilt werden soll. Anschließend klicken wir im Fenster Pathfinder auf „Fläche aufteilen“. Wir haben nun drei einzelne Pfade. Die beiden Pfade außerhalb der Zeichenfläche löschen wir einfach und den Pfad innerhalb der Zeichenfläche verschieben wir auf der Ebenenpalette in die Gruppe, in der sich vorher der unbeschnittene Pfad befand. Fertig, zumindest mit dem ersten Pfad. Und das wiederholen wir nun gefühlte eine Millionen mal.

Pathfinder (1): Pfad auswählen.
Pathfinder (1): Pfad auswählen.
Pathfinder (2): Fläche aufteilen.
Pathfinder (2): Fläche aufteilen.

Formerstellungswerkzeug: Mit dieser Methode ist man sehr viel schneller fertig. Sie hat aber den Nachteil, dass beim Schneiden manchmal automatisch zusätzliche Ankerpunkte hinzugefügt werden (je mehr Ankerpunkte, umso mehr KB hat die Datei später). Außerdem muss man sehr aufpassen, dass nicht aus Versehen ein Pfad innerhalb der Zeichenfläche entfernt wird.

 

Wir legen erst mal ein Rechteck exakt am Rand der Zeichenfläche an („Am Raster ausrichten“ sollte aktiviert sein). Dann wählen wir in der Ebenenpalette das Rechteck, eine Gruppe, die sich am Rand befindet und beschnitten werden soll, sowie das Formerstellungswerkzeug aus. Fahren wir nun mit der Maus über einen Pfad, erscheint dieser zart grau gefärbt. Am unteren rechten Rand vom Mausanzeiger befindet sich ein Pluszeichen (+). Mit einem Klick auf die Pfade werden diese komplett getrennt. Das wollen wir aber nicht, da das wirklich alle Überschneidungen von Pfaden in einzelne Pfade trennt. Stattdessen klicken wir mit gedrückter ALT-Taste (Windows) bzw. gedrückter Wahltaste (Mac OS) auf die Pfade, die sich außerhalb der Zeichenfläche befinden. Am unteren rechten Rand vom Mausanzeiger befindet sich nun ein Minuszeichen (-). Nun werden nur die Pfade getrennt, die man anklickt und netterweise werden diese auch gleich gelöscht. So kann man schnell die Grafik an die Zeichenfläche angepasst.

Formerstellungswerkzeug
Formerstellungswerkzeug

Schritt 9: Nachdem wir alle Pfade außerhalb der Zeichenfläche entfernt haben, müssen wir unsere Arbeit natürlich kontrollieren. Manche Pfade ragen vielleicht nur ein oder zwei Pixel über den Rand hinaus. Das kann man leicht übersehen und verursacht Fehler beim Drucken.

 

Zuerst schalten wir die Sichtbarkeit beim Rechteck aus. So können eventuelle Fehler besser erkannt werden. Dann wählen wir die gesamte Zeichenfläche aus und schauen uns in der Eigenschaften-Palette an, wie groß unser Muster ist. Unsere Zeichenfläche ist 2000 x 2000 Pixel groß, das Muster sollte jetzt ebenfalls 2000 x 2000 Pixel groß sein. Wie man aber im Screenshot sieht, haben wir irgendwo etwas übersehen. Das müssen wir nun suchen und korrigieren. Sobald das Muster die exakte Größe hat, kann das Rechteck, dass wir für die Beschneidung der Pfade genutzt haben, gelöscht werden.

9.1: Kontrolle des Musters.
9.1: Kontrolle des Musters.
9.2: Fehlerhafte Pfade finden.
9.2: Fehlerhafte Pfade finden.

Schritt 10: Zum Schluss kontrollieren wir, ob unsere Arbeit auch wirklich nahtlos ist. Dieser Schritt mag einigen von euch vielleicht überflüssig erscheinen, ich kann aber nur dazu raten, dies unbedingt durchzuführen. Bei der Bearbeitung des Bildes kann es schnell passieren, dass sich ein einzelner Pfad um einen oder zwei Pixel verschiebt. Das würde beim Drucken sofort das Gesamtbild ruinieren.

 

Für die Abschlusskontrolle gehen wir wie folgt vor: zuerst legen wir eine neue Ebene an. Dann kopieren wir den gesamten Inhalt der Ebene 1 (Strg + C), klicken mit der Maus auf Ebene 2 und fügen den Inhalt deckungsgleich dort ein (Strg + Umschalttaste + V bei Windows, Ctrl + Umschalttaste + V bei Mac OS). Ebene 1 sperren wir und blenden sie aus. Über das Muster in Ebene 2 legen wir nun wie in Schritt 3 einen Pfad exakt am Rand der Zeichenfläche an. Dann wird der gesamte Inhalt gruppiert, kopiert und drei mal eingefügt. Die vier Gruppen richten wir nun genau aneinander aus. Die vier Rechtecke löschen wir und überprüfen, ob die einzelnen Gruppen nahtlos sind. Nach der Kontrolle löschen wir Ebene 2 und korrigieren eventuelle Fehler auf Ebene 1. Ist der Fehler zu groß, muss man wieder ganz von vorne anfangen (In den ersten Jahren ist mir das ein paar Mal passiert). Jetzt fehlt nur noch ein Hintergrund und dann ist die Grafik fertig.

Ich hoffe, diese Anleitung hilft euch ein wenig. Solltet ihr Fragen haben, könnt ihr diese hier gerne stellen.

10.1: Abschlusskontrolle.
10.1: Abschlusskontrolle.
10.2: Guppen wieder aneinander ausrichten.
10.2: Guppen wieder aneinander ausrichten.
10.3: Eventuelle Fehler korrigieren.
10.3: Eventuelle Fehler korrigieren.