· 

Graphicriver: Ein erster Erfahrungsbericht

Die Agentur Graphicriver hatte ich schon länger ins Auge gefasst. Mir fehlte jedoch bisher die Zeit, um mich damit zu befassen. Vor etwa zwei Monaten habe ich dann endlich angefangen. Die Registrierung ging schnell und unkompliziert, wie bei allen anderen Agenturen auch. Aber als ich die erste Grafik hochladen wollte, war ich zuerst ganz schön geschockt. Doch inzwischen liebe ich diese Agentur, denn was auf den ersten Blick sehr kompliziert und umfangreich aussieht, hat sich für mich als tolle Möglichkeit meiner Kreativität freien Lauf zu lassen entpuppt. Aber später dazu mehr.

Screenshot meines Profiles bei Evanto Market
Screenshot meines Profiles bei Evanto Market

Graphicriver ist Bestandteil von Evanto Market, zu dem auch Themeforest, Codecanyon, Videohive, Audiojungle, Photodune und 3dOcean gehören. Hat man sich bei einer der Abteilungen angemeldet, ist man für alle freigeschaltet. Man sieht schon an den Namen, dass es sich hier nicht um eine der üblichen Agenturen handelt. Neben Fotos, Grafiken und Videos hat man auch die Möglichkeit z. B. Skripte für Webseiten (u. a. auch für WordPress, HTML, PHP), Plugins oder komplette Apps zu verkaufen. Das aus meiner Sicht ist aber noch nicht mal das Interessanteste.

 

Viel Interessanter finde ich an diesen Agenturen, dass man nicht einfach nur eine Grafik, ein Foto oder ein Plugin dort verkaufen kann, sondern die Möglichkeit hat, ganze Pakete zum Verkauf anzubieten. Das ist der größte Unterschied zu den üblichen Agenturen. Ein anderer Unterschied ist, und das kann im ersten Moment sehr abschreckend wirken, dass man beim Upload alles (und ich meine wirklich alles) eigenständig erledigen muss. Vom Thumb bis zum Preis muss alles vom Autor erstellt bzw. eingestellt werden. Selbst Größenangaben werden nicht ausgelesen und auch keine IPTC Daten. Das bedeutet für den Autor natürlich sehr viel zusätzliche Arbeit. Leider habe ich vor meinem ersten Upload nicht die Anforderungen für den Upload von Graphicriver gelesen. Entsprechend lange habe ich für den ersten Upload dann auch gebraucht.

 

Das war es, was mich im ersten Moment sehr geschockt hat. Ich war verärgert über die peniblen Anforderungen von Graphicriver und auch verärgert über mich selbst, weil ich mich nicht wie bei anderen Agenturen vorher erkundigt habe. Für den ersten Upload habe ich über 30 Minuten gebraucht. Ständig tauchten irgendwelche Fehlermeldungen auf: Preview-Image zu groß, Thumb zu groß, zu viele Stichworte, enthaltene Dateien nicht angegeben, usw. Aber ich gab nicht auf und lud an diesem Tag insgesamt fünf einfache Grafiken hoch. Diese wurden dann auch prompt abgelehnt. Doch von Ablehnungen lasse ich mich nicht aufhalten, ich bin hartnäckig. Also sendete ich gleich 15 weitere Grafiken, diesmal aber etwas aufwendigere. Der Upload ging dann auch schon schneller, da ich ja nun die Anforderungen kannte und mich entsprechend vorbereiten konnte. Von diesen Grafiken wurden sieben angenommen und in der Nacht darauf hatte ich schon meinen ersten Verkauf und damit auch meinen ersten Author-Level-Button im Profil: Author-Level 1: Has sold $ 1+ on Envanto Market.

 

Ihr könnt euch ja vorstellen das mich das sehr gefreut hat. Aber ich war auch etwas enttäuscht über die vielen Ablehnungen und daher schaute ich mir einfach mal einige Portfolios von anderen Autoren an. Dabei habe ich entdeckt, dass in der Beschreibung zur Grafik oft nicht einfach nur ein Satz steht, sondern dass dort z. B. auch Links zu anderen Bildern erscheinen. Außerdem hat man die Möglichkeit, diesen Text mit einfachem HTML zu formatieren. Bei dieser Recherche bin ich dann auf die Kategorie „Game Assets“ gestoßen. Hier werden ganze Pakete zum Verkauf angeboten. Das hat mich neugierig gemacht und ich schaute mir ganz genau die Anforderungen für dieses Thema sowie die angebotenen Pakete der anderen Verkäufer an. Da ich für neue Dinge immer offen bin, entschied ich mich kurzerhand es einmal selbst auszuprobieren und nach einigen Tagen war mein erstes Set fertig. Es besteht aus 249 einzelnen Dateien (9 x EPS, 9 x AI, 9 x JPG und 222 x PNG). Natürlich war das viel Arbeit, aber ich habe es bis heute schon sechs Mal verkauft und somit 23,40 Dollar eingenommen. Außerdem hat es mir einfach Spaß gemacht und das ist für mich nach wie vor der Hauptgrund im Stockgeschäft. Bei den anderen Agenturen biete ich die neun EPS-Dateien als Einzelbilder an.

 

In den nächsten Wochen erstellte ich weitere Pakete, die alle angenommen wurden. Nebenbei lud ich auch weitere Einzelgrafiken hoch, die ebenfalls angenommen wurden. So wuchs mein Portfolio auf 114 Grafiken bzw. Pakete. Nach einem knappen Monat hatte ich 12 Verkäufe und erhielt meinen nächsten Author-Level-Butten: Author-Level 2: Has sold $100+ on Envanto Market. Da wurde mir klar, dass dieser Button nicht den Verdienst des Autors anzeigt. In meinen Einnahmen stand nämlich nicht die Summe von 100 Dollar, sondern nur etwa 38 Dollar. Dieser Button zeigt vielmehr an, dass die Kunden bereit waren, insgesamt mehr als 100 Dollar für meine Werke zu bezahlen. Auch ok. Aber somit hat sich für mich der Button „Author-Level 13: Has sold 2M+ on Evanto Market“ relativiert. Trotzdem ist das natürlich sehr bemerkenswert, zumal man bei den anderen Agenturen diese Informationen nicht erhält. Den nächsten Button erhalte ich, wenn für meine Grafiken mehr als 500 Dollar bezahlt wurde. Ich denke, dass das gar nicht so lange dauern könnte, denn im Moment stehe ich mit aktuell 20 Verkäufen bei 160 Dollar, von denen 63 Dollar für mich sind. Hört sich wenig an, sind aber immerhin etwa 39% des Verkaufspreises und damit deutlich mehr als z. B. bei Shutterstock, wo man am Anfang nur 25% erhält.

 

So und jetzt noch mal zurück zum Anfang und zum Thema Kreativität. Wie schon beschrieben, muss man bei Evanto Market alles eigenständig erledigen. Wenn man die Anforderungen kennt, ist das aber gar nicht so aufwendig.

 

Folgende Anforderungen gelten für Graphicriver:

  •  JPG: max. 900 x 900 px (in der Kategorie Game Assets mind. 3000 px)
  • Originaldatei: AI + EPS (bei den anderen Agenturen werden ja meist nur EPS-Dateien angenommen)
  • Preview: 590 px breit, mind. 300 px hoch
  • Thumb: 80 x 80 px, max. 50 KB
  • Titel: erster Buchstabe der Wörter in Großbuchstaben
  • Stichwörter: max. 30, alle Wörter in Kleinbuchstaben
  • Das JPG und die Orginaldateien müssen als ZIP hochgeladen werden.

Das Preview und das Thumb müssen nicht zwingend eine einfache verkleinerte Version des Werkes sein. Man kann stattdessen auch als Thumb einen kleinen Ausschnitt oder beim Preview ein Beispiel für eine Anwendung zeigen. So hat man die Möglichkeit, sein Werk besonders hervorzuheben, damit es einem potenziellen Käufer schneller auffällt.

 

Fährt man mit der Maus über ein Thumb, wird der obere Teile des Previews angezeigt. Genauer gesagt: die obersten 590 Pixel. Diese Tatsache kann man sich zunutze machen und in diesem Teil z. B. zeigen, wie das Bild auf einem Tablet oder Smartphone aussehen würde. Außerdem kann man wichtige Informationen dort unterbringen und so dem Käufer schnell und einfach zeigen, welche Dateitypen enthalten sind. Zum einen macht das richtig Spaß, zum anderen muss man aber auch genau überlegen, welche Informationen für den Käufer überhaupt relevant sind. Da ich mir bei den ersten Paketen noch unsicher war, las ich einfach die Kommentare bei den Bestsellern von anderen Autoren durch. Dort haben die Käufer oft Fragen an den Autor gestellt. So konnte ich relativ schnell herausfinden, was überhaupt gewünscht wird.

Screenshots  aus meinem Portfolio bei Evanto Market. Links: zwei Thumbs, rechts: oberer Bereich eines Previews. Das gesamte Preview findet ihr hier.

Besonders interessant finde ich das Feld für den Preis. Mit dem Formular kann man gut sehen, welche Summe ein Autor für sein Werk erhält. Außerdem werden netterweise auch gleich die Durchschnittspreise angezeigt, was die Preisgestaltung natürlich erheblich vereinfacht.

 

Wer mehr über die Anforderungen und Einnahmen erfahren möchte, kann hier nachlesen:

 

Upload allgemein

Upload Vektorgrafiken

Upload Game Assets

 

Screenshot Formular für den Preis. Mit freundlicher Genehmigung von Evanto Market.
Screenshot Formular für den Preis. Mit freundlicher Genehmigung von Evanto Market.

Interessant ist auch die Gestaltung der Auszahlung. Während andere Agenturen angeben, wie viel ein Autor für sein Werk erhält, gibt Evanto Market an, wie viel ein Autor für sein Werk von der Gesamtsumme abgeben muss. Also genau umgekehrt. Als exklusiver Anbieter vermindert sich diese Summe schrittweise mit den erzielten Einnahmen. Als nicht exklusiver Anbieter gibt man immer 55 % ab.

 

Dazu kommt zu jedem Verkauf eine Gebühr von einem Dollar, die der Verkäufer zahlen muss. Ich möchte ehrlich sein: Mir ist nicht klar, warum diese Gebühr erhoben wird. Tatsache ist aber, dass Evanto Market diesen Dollar zusätzlich erhält und ich als Anbieter somit im Grunde genommen mehr als 55 % abgeben muss. Wenn man bei Evanto Market verkaufen möchte, muss man das eben einfach akzeptieren. Und da bereits in kurzer Zeit eine nette kleine Summe für mich zusammengekommen ist, kann ich gut damit leben.

 

Inzwischen denke ich sogar darüber nach, meine Werke bei Graphicriver exklusiv anzubieten. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich meine Portfolios bei den anderen Agenturen lösche würde, sondern nur, dass ich dann die exklusiven Grafiken nicht bei anderen Agenturen anbiete. Allerdings habe ich bereits mehrere Lizenzen einzelner Grafiken bei den anderen Agenturen verkauft und ich müsste mich erst mal mit möglichen rechtlichen Konsequenzen auseinandersetzten. Leider bietet Evanto Market keine Teilexklusivität an und man hat somit auch keine Möglichkeit, ein einzelnes Werk dort exklusiv zu verkaufen.

 

Eine Tabelle der „Gebühren“ für exklusive und nicht exklusive Anbieter findet ihr hier.

 

Mein Fazit:

Evanto Market ist keine Agentur wie jede andere. Wer wie ich gerne neue Dinge ausprobiert, ist hier gut aufgehoben denn man hat eine unglaubliche Vielzahl an Möglichkeiten. Die Grafiken sind meist bereits nach einem Tag für den Verkauf freigegeben und der Support ist mit wenigen Stunden bis zur Antwort nicht nur sehr schnell, sondern auch in einem angenehm freundlichen Ton geschrieben. Ich freue mich über jeden neuen Verkauf und habe durch meine Recherche schon viele neue Ideen, die mich in den nächsten Monaten auf Trapp halten werden.

 

Jetzt würde mich noch interessieren, ob ihr ähnliche Erfahrungen mit Evanto Market machen konntet. Wie empfindet ihr den Uploadprozess und wie sehen eure Verkaufszahlen aus?